13 Februar 2010

Jetzt rede ich.

Einer meiner ersten Kunden nach der Backspin war ein Hamburger Magazin, das hier namentlich nicht erwähnt werden soll. Dieses Heft hatte in jeder Ausgabe eine Modestrecke, für die berühmte Menschen aus der Pop-Landschaft in trendige Klamotten gesteckt wurden.
Ina, mit der ich meinen ersten wie auch meinen letzten Test gemacht hatte, übernahm damals noch das Styling und durfte sich 30 Varianten aus den aktuellen Kollektionen zusammensuchen.
Geldmäßig lohnte sich das Ganze nur begrenzt. Es gab pro Strecke genau 500 Euro. Allein mit der Vorbereitung war man 2, 3 Tage beschäftigt. Mit dem Shooting und der Post von 12 Motiven blieb nicht viel über. Dafür bekam man aber berühmte Menschen wie die Sportfreunde Stiller, Joy Denalane oder Juli vor die Camera - mappentechnisch machte das durchaus Sinn. Und auch das Fotografieren dieser Modestrecken machte immer wieder großen Spaß.
Nach ca. sieben Engagements für dieses Heft kam die besagte Strecke mit der Band Juli. Die waren damals noch recht erfolgreich und ließen sich in dieser Phase nur 2 Mal fotografieren. Einmal Pressefotos mit dem großen Sven Sindt, einmal von mir für dieses komische Magazin.
Und so kam es, dass ich eines Tages in der Popcorn mein Foto als herausnehmbares Faltposter entdeckte. Als Credit wurde dieses Hamburger Magazin angegeben. Auf meine Rückfrage, wie genau die Bildredaktion der Popcorn an die Bilddaten kam, wurde mir recht offen gesagt, dass der Springer Verlag die Bildrechte bei dem Verlag dieses Magazins gekauft habe. Für 3000 Euro.
Natürlich bin ich direkt zur Chefredakteurin des Hamburger Blattes. Die behauptete aber, dass sie von dem Verkauf des Bildes nix wüsste. Nach drei Runden wilder Diskussion und einer Drohung meinerseits, einen Anwalt einzuschalten, bot mir der Verlag weitere 500 Euro für die Bildrechte. Denn eins war klar: Es gab keinen Vertrag über die Nutzungsrechte. Die 500 € Honorar für die Strecke waren meiner Meinung nach allein für den einmaligen Abdruck der Bilder geflossen.
Nachdem ich das Angebot des Verlags nicht angenommen habe ging die ganze Geschichte tatsächlich vor Gericht. Die Richter waren durchgängig meiner Meinung. Ich gewann alle Prozesse. Wirklich verdient daran haben aber vor allem die Anwälte und Gerichte, immerhin waren es 5 Prozesse.
Der letzte Akt dieser unsäglichen Geschichte war eine Unterlassungserklärung, nach der ich die erstellten Werke nicht mehr auf meiner Internetseite zeigen durfte. Die habe ich auch unterschrieben, die Internetverwendung von Portolio-Bildern ist leider immer schwierig. Im Anschluss löschte ich alle Bilder - bis auf eine Mode-Strecke mit Julia Hummer. Rein aus Versehen habe ich vergessen zu speichern und lud den alten Stand hoch. Dieser Fehler kostete mich letztlich das Doppelte des von den Gerichten mir zugesprochenen Geldes, brachte mich aber zu Hauser Fotografen, dies ist aber eine andere Geschichte. Am Ende bleibt eine Aussage: Verdient hat keine der beiden Parteien etwas, nur draufgezahlt. Das Magazin recht happig, ich ein wenig, und zeigen darf ich die Bilder nie wieder.
Das nächste Mal nehme ich die 500 Euro.

Kommentare:

R. Kneschke hat gesagt…

"Dieser Fehler kostete mich letztlich das Doppelte des von den Gerichten mir zugesprochenen Geldes, brachte mich aber zu Hauser Fotografen, dies ist aber eine andere Geschichte."

Was bedeutet denn "Hauser Fotografen"? Ist das ein Schreibfehler?

paule hat gesagt…

Hauser Fotografen ist meine Repräsentanz. www.hauserfotografen.de

PETER hat gesagt…

bin mal gespannt wie es weitergeht.. verfolg das hier schon seit geraumer zeit!

*sabber*

richtig feine sache deine texte und videos!

lg

tierfotograf hat gesagt…

Danke für die Geschichte. Ist immer wieder interessant zu lesen mit welchen Problemen man sich rum schlagen muss und wie solche Dinge ausgehen.

visuellegedanken hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Martin Wolf hat gesagt…

Ich kann dich verstehen, dass du am Ende sagst, du nimmst demnächst lieber einfach die 500€. Aber schon traurig, dass das die Realität für Fotografen ist. So gewinnen die Verlage mit ihren "unlauteren" Methoden auch noch...

Danke für deine Geschichten aus deinem Fotoleben. Ist sehr interessant und ich freue mich auf mehr.

Klausi hat gesagt…

Super Story. Das war nicht zufällig das Umag? Auf deren Seite sieht man ja noch deine Strecken, kannst du die nicht dafür verklagen?
Ansonsten ist es wirklich traurig, wie mit dem Eigentum von Menschen umgegangen wird. Aber denncoh lohnt der Kampf. Das Magazin hat bestimmt draus gelernt.
Hoffentlich.

eldersign hat gesagt…

Soviel zu den über die "Kostenloskultur im Internet" jammernden und "Leistungsschutzrechte" fordernden Verlagen.

Anonym hat gesagt…

Die Site www.hauserfotografen.de infiziert eure Rechner mit der Malware "crypt.gen". Aufpassen!

Gruss Johannes

pgs hat gesagt…

Krasse Story. Nur dein Resümee erscheint mir etwas frustriert (was aber auch verständlich ist).

Betrachte die beiden Geschichten mal separat.
Die erste: Jemand hat dich übers Ohr gehauen, du hast Recht und Kohle bekommen. Glückwunsch dazu übrigens!
Die zweite: Du hast Mist gebaut und Kohle verloren. Autsch.

Dein Resümee könnte auch lauten:
Ich unterschreibe keine Unterlassungserklärungen, sondern nur noch Vereinbarungen ohne Androhung von Strafzahlungen.
Ich werde in Zukunft zehnmal schauen, ob ich gespeichert habe und was ich hochlade (jaja, ich weiß: Vorsätze und die Praxis...).

Dein Hauptresümme sollte aber echt sein: Ich habe einen Rechtsstreit gewonnen, der sehr wichtig für mich war.

Viele Grüße, pgs