29 Januar 2010

Mein erstes Foto, Teil 2

Schon damals war ich absoluter Realist. Also hatte ich mir kurz vor dem Termin eine neue Camera gekauft. Schließlich stand ich nun in der Tür, durch die hindurchzugehen den Start einer weltweiten Musik-Portrait-Karriere bedeuten würde – so viel war klar. Und so stellte sich damals der Kauf einer der ersten DSLR-Cameras als schlauster Schachzug meiner fotografischen Karriere heraus. Denn: Fotografieren konnte ich damals nicht. So hatte ich wenigstens ein Display, auf dem ich kontrollieren konnte was ich mit diesen beiden Rädchen versucht hatte. Drehte ich das eine, wurde das Bild heller oder dunkler, das andere sorgte für die Schärfe oder Unschärfe. Oder so ähnlich.

Da stand ich dann also in diesem Dunklen Studio, das in einem Raum im Gebäude des DGB untergebracht war, unweit des Hamburger Hauptbahnhofs. Mit tightem Smalltalk versuchte ich, meine Aufregung zu überspielen - mit mäßigem Erfolg, glaube ich. Also begann ich mit dem Shooting. Dabei gab ich dem Homie, er nannte sich Joker oder Joe Care oder so ähnlich, wie wild Anweisungen. Links, rechts unten, oben, so wie ich das im Fernsehen gesehen hatte. Völlig verrückt fand ich damals, das Bild lange zu belichten, zu blitzen, wie auch während der Belichtung zu zoomen. Da entstanden so wilde Effekte.

Um mit meiner Camera noch etwas anzugeben schlug ich vor, zu Saturn zu gehen. Mein damaliges Mekka der Unterhaltungselektronik lag nur ein paar Schritte entfernt. Drinnen wollte ich meine Camera an einen Fernseher anschließen und Joe Care die Fotos präsentieren, so dass er gleich ein paar freigeben konnte.Es klappte. Auf 12 Flatscreens gleichzeitig. War das eine Show.

Am Ende kam tatsächlich ein fotografisches Meisterwerk zu Stande. OK, sagen wir es so: Backspin druckte es. Und auch Joe war mit dem Bild zufrieden. Jedenfalls sagte er das. Vielleicht lag es aber auch daran, dass der Artikel in der Backspin seinen Karriere-Höhepunkt darstellte. Ich weiß es nicht. In jedem Fall wurde das Foto auf einer halben Seite gedruckt, mit meinem Namen drunter. Und ich durfte meine erste Rechnung stellen, 40 Euro.

Dazu blieb ich Dennis sympathisch. Und das war damals wie gesagt wichtiger als die Beherrschung des Handwerks. So erzählte er mir beim Shooting, dass er zwei Tage später nach Berlin fahren würde, um dort DJ Tomekk zu interviewen. Aufopfernd wie ich war bot ich an, ihn auf eigene Kosten zu begleiten. Dennis warnte mich noch, dass der Termin als reiner Interview-Termin angesetzt war. Er hatte keine Ahnung, ob DJ Tomekk einem spontanen Fototermin zustimmen würde. Wir mussten also auf den nie zu unterschätzenden Sympathie-Faktor hoffen. Tatsächlich ließ Tomekk zu, dass ich ihn fotografierte und es wurde ein sehr lehrreicher Nachmittag auf den Dächern Berlins. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich euch an anderes Mal erzählen werde.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

He He. zu geil. weiter so!

100Megapixel hat gesagt…

Hey Paul, super Post! Wiedererkennungsfaktor 100%!!! Die wilden Blitzbrennweiteneffekte... haha mir ergings bei meinem ersten Bandfoto auch so, schön zu wissen, das alle irgendwie gleich angefangen haben.


Fands einmal mehr super gestern, Straße war auch frei bis HL und beim nächsten Mal bleiben wir länger und snacken ausführlicher!

Schönes We und Grüße nach Hamburg
Tim von 100Megapixel

Steffen hat gesagt…

Hey Paul,
sehr coole Serie die du mit "dem ersten Bild" angefangen hast. Ich schau sowieso gerne hier rein, aber das macht den Blog nochmal besser.

Greetzz aus Fulda
Steffen(hochzeitsfotograf-fulda.de)

Anonym hat gesagt…

kann mich erinnern, Unser gemeinsamer Bekannter, Wladimir Kaminer und so wie eure nette Art ist mir bis heute in Einnerung geblieben. Alles gute für die Weitere Karierre. Dj Tomekk